Cistus – Wissen, Erfahrung & Forschung
Von Curro Cachinero, Gründer von Adaptonics · Basierend auf über 12 Jahren eigenem Anbau und eigener Verarbeitung auf Teneriffa · Zuletzt aktualisiert: August 2026
Cistus, die Zistrose, ist ein anspruchsloser mediterraner Strauch – und gleichzeitig eine der am besten erforschten Pflanzen in unserem Sortiment. Anders als bei manch anderem Naturstoff reicht die Evidenz hier über Laborversuche hinaus bis zu echten, placebokontrollierten Studien am Menschen. Genau deshalb verdient die Zistrose einen eigenen, sorgfältigen Überblick.
Bereits in der Antike wurde aus ihrem Harz das Räucherwerk Labdanum gewonnen; in Griechenland gehört Cistus bis heute zur Volksmedizin. Diese Tradition ist ein Grund, genauer hinzuschauen – der eigentlich interessante Teil beginnt aber erst mit der modernen Forschung, die seit den 2000ern unter anderem an der Universität Regensburg zu Cistus incanus betrieben wird.
Die kurze Antwort vorweg: Die Polyphenole der Zistrose waren in Zellkultur- und Tierversuchen gegen mehrere Viren aktiv (Influenza, HIV, Ebola, Marburg, SARS-CoV-2). Zwei placebokontrollierte Humanstudien mit insgesamt 460 Patienten zeigen zudem einen messbaren Effekt auf Erkältungssymptome der oberen Atemwege. Das ist eine ungewöhnlich solide Ausgangslage für einen Naturstoff – bedeutet aber nicht, dass Cistus eine bestimmte Viruserkrankung beim Menschen nachweislich verhindert oder heilt.
Inhalt
- Was ist Cistus?
- Wie ich die Zistrose auf Teneriffa entdeckte
- Welche Inhaltsstoffe stecken in der Zistrose?
- Was zeigt die Forschung – von der Zellkultur bis zur Humanstudie?
- Cistus in der Pandemie: die Imun-Guard-Geschichte
- Wildpflanze statt Kulturpflanze
- Meine Erfahrung
- Häufige Fragen
- Quellen
Was ist Cistus?
Die Zistrose (Cistus, engl. „rock rose") ist ein niedriger, verholzender Strauch aus dem Mittelmeerraum, der auf kargem, oft vulkanischem Boden wächst – Gelände, auf dem viele andere Pflanzen kaum überleben. Ihre Samen keimen sogar erst nach Waldbränden zuverlässig, eine Anpassung an ihren Lebensraum. Im Frühsommer trägt sie große, papierdünne weiße oder rosa Blüten; ihre Blätter sind harzig, duften intensiv und enthalten Bitterstoffe, Tannine und ätherische Öle.
Bei uns wächst die Zistrose wild zwischen Kiefernwald und Vulkangeröll – mehr zu diesem Standort und ihrer Widerstandsfähigkeit in Zistrose (Cistus): Was macht Wildpflanzen so besonders?
Die kanarische Zistrose: eine eigene, kaum erforschte Art
Wichtig für die Einordnung: Die Zistrose, aus der die Studien oben stammen, ist Cistus incanus – die griechische bzw. mediterrane Zistrose. Was bei uns auf Teneriffa wild wächst, ist eine andere, eigenständige Art: Cistus symphytifolius, die Beinwellblättrige oder kanarische Zistrose, endemisch auf den Kanarischen Inseln.
Die Kanaren gelten wegen ihrer isolierten Täler und der jeweils eigenen mikroklimatischen Bedingungen als „Galapagosinseln der Botanik" – ein Ausdruck, der auch für Cistus zutrifft. Praktisch jedes Tal hat im Lauf der Zeit seine eigene Unterart oder nahe verwandte Form hervorgebracht; auf Teneriffa etwa zusätzlich die eng verwandte Chinamada-Zistrose (Cistus chinamadensis), die nur in einem kleinen Gebiet im Anaga-Gebirge vorkommt.
Das bedeutet aber auch: Die eingangs beschriebene Studienlage – die Humanstudien, die In-vitro-Arbeiten zu SARS-CoV-2, HIV, Herpes und Co. – bezieht sich explizit auf Cistus incanus, nicht auf unsere kanarische Art. Cistus symphytifolius ist wissenschaftlich bislang weitgehend unerforscht; belastbare Studien zu Inhaltsstoffen oder Wirkung liegen uns nicht vor. In der kanarischen Volksheilkunde finden sich vor allem Hinweise auf die Anwendung bei Zahnfleischproblemen – deutlich schmaler als die griechische Überlieferung.
Meine eigene Erfahrung und die Rückmeldungen von Kunden und Freunden legen nahe, dass die kanarische Zistrose der griechischen in ihrer Wirkung mindestens ebenbürtig ist – das ist aber ausdrücklich eine persönliche Einschätzung, kein wissenschaftlicher Befund, und muss klar von der oben beschriebenen Studienlage zu Cistus incanus unterschieden werden.
Wie ich die Zistrose auf Teneriffa entdeckte
Ich bin auf die Zistrose gestoßen, weil ich gehört hatte, dass sich der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller WALA mit ihr beschäftigt. Also sammelte ich selbst welche und setzte eine Tinktur an. Ich war sofort begeistert – nicht nur vom Duft und den Blüten, sondern von einem Gefühl, das ich nicht wissenschaftlich begründen konnte: Diese Pflanze hat Kraft.
Das ist erstmal eine persönliche Wahrnehmung, kein Beweis. Aber genau das hat mich dazu gebracht, mir die tatsächliche Studienlage anzusehen – und die ist, wie du gleich lesen wirst, überraschend umfangreich.
Die ausführlichere Geschichte dazu in Wunderpflanze Zistrose – Cistus aus Teneriffa.

Welche Inhaltsstoffe stecken in der Zistrose?
Der wissenschaftlich am besten untersuchte Bestandteil sind die Polyphenole – genauer: hochpolymere Polyphenole, wie sie speziell in bestimmten Cistus-incanus-Chemotypen in hoher Konzentration vorkommen. Diese sekundären Pflanzenstoffe bildet die Zistrose, um sich selbst vor UV-Strahlung, Fressfeinden, Pilzen und Viren zu schützen. Sie gelten als starke Antioxidantien und sind der Ausgangspunkt für praktisch die gesamte moderne Forschung zu Cistus – mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Was zeigt die Forschung – von der Zellkultur bis zur Humanstudie?
Bei Cistus lohnt es sich besonders, die Evidenz nach Stufen zu ordnen – von der Laborbeobachtung bis zur klinischen Studie am Menschen. Eine vollständige, nach Bereichen sortierte Studientabelle mit 30 verlinkten Publikationen und regulatorischen Quellen findest du in unserer ausführlichen Forschungsübersicht zu Cistus/Zistrose. Die komplette, nach Themen sortierte Studiensammlung (antiviral, antibakteriell/antimykotisch, antioxidativ/Zellschutz, sowie Einzelstudien zu Entzündungsprozessen, Borreliose und Krebsforschung) findest du außerdem in Cistus: Welche wissenschaftlichen Studien gibt es? – hier die wichtigsten Ergebnisse eingeordnet:
1. In-vitro-Forschung (Zellkultur)
Eine 2016 in Scientific Reports (Nature-Verlagsgruppe) veröffentlichte Arbeit untersuchte Cistus-incanus-Extrakt an HIV-1, HIV-2 sowie an Viruspartikeln mit Hüllproteinen von Ebola- und Marburgviren. Im Zellmodell zeigte sich eine Hemmung der Infektion, mutmaßlich weil Extraktbestandteile die Anheftung der Viruspartikel an die Wirtszelle behinderten.[1]
Bereits 2007 hatte eine Arbeitsgruppe gezeigt, dass der standardisierte Extrakt CYSTUS052 die Vermehrung von Influenza-A-Viren (H7N7) sowohl in Zellkultur als auch im Mausmodell hemmt, ohne toxische Nebenwirkungen oder Resistenzbildung.[2]
Während der Corona-Pandemie wurde diese Forschungslinie fortgesetzt: Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie Leipzig wies 2021 eine in-vitro-Hemmung von SARS-CoV-2 durch einen Cistus-incanus-Extrakt nach[3], spätere Arbeiten bestätigten das auch für die Alpha-, Beta- und Delta-Variante.[4]
Und die Forschung ist seitdem weitergegangen. Eine bulgarische Arbeitsgruppe zeigte 2025, dass ein Cistus-incanus-Extrakt sowohl die Vermehrung als auch die Infektionsfähigkeit freier Viruspartikel bei zwei Herpes-simplex-Stämmen sowie einem Erkältungs-Coronavirus (HCoV-229E) deutlich hemmte – bemerkenswerterweise auch bei einem Herpes-Stamm, der gegen das Standardmedikament Aciclovir resistent ist. Eine italienische Arbeitsgruppe testete 2024 erstmals gezielt einzelne Inhaltsstoffe des Extrakts direkt an echtem SARS-CoV-2 (nicht nur an einem Ersatz-Coronavirus): Der Stoff Punicalin zeigte dabei eine deutliche antivirale Wirkung, wenn Zellen und Virus vorbehandelt wurden.[7][8] Ganz neu (2026) ist zudem eine rein computergestützte Modellierungsstudie zu möglichen Angriffspunkten von Cistus-Inhaltsstoffen am Ebola-Virus-Protein VP40[9] – hier handelt es sich ausdrücklich um reine Computersimulation ohne jeden Zell- oder Tierversuch, also die vorläufigste denkbare Evidenzstufe.
Auch außerhalb des viralen Bereichs ist die Studienlage breit: Einzelarbeiten untersuchten antibakterielle und antimykotische Effekte (u. a. gegen Candida), den Beitrag der Polyphenole zum Schutz vor freien Radikalen und oxidativem Zellstress, sowie – deutlich vorläufiger – Wirkungen im Zusammenhang mit Borreliose und in der Krebsforschung.
Wichtig bei alldem: Das ist Zellkultur, Tiermodell oder sogar nur Computersimulation, kein Mensch. Ein Mechanismus, der im Labor oder am Rechner funktioniert, ist ein guter Grund für weitere Forschung – aber noch kein Wirksamkeitsnachweis am Menschen.
2. Klinische Studien am Menschen
Hier wird es für einen Naturstoff ungewöhnlich konkret: Eine prospektive, randomisierte, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2009 untersuchte den Extrakt CYSTUS052 bei 160 Patienten mit Infekten der oberen Atemwege. Unter dem Extrakt nahm der Symptomscore stärker ab als unter Placebo, auch bei untersuchten Entzündungsmarkern zeigten sich Unterschiede.[5] Eine Folgestudie verglich denselben Extrakt bei 300 Patienten mit Grüntee – auch hier eine stärkere Abnahme der subjektiven Symptome in der Cistus-Gruppe.[6] Neuere placebokontrollierte Humanstudien zu Cistus sind uns nicht bekannt – diese beiden Arbeiten von 2009/2010 bleiben bislang die einzige klinische Evidenz.
Das sind reale klinische Daten, nicht nur Laborhinweise – eine seltene Stufe für einen pflanzlichen Extrakt. Sie beziehen sich allerdings auf ein bestimmtes Präparat (CYSTUS052) und auf Infekte der oberen Atemwege allgemein, nicht auf ein bestimmtes Virus oder eine bestimmte Erkrankung.
- Solide belegt: Cistus ist reich an antioxidativ wirksamen Polyphenolen; in Zellkultur und Tiermodell antivirale Effekte gegen mehrere Virusfamilien, mittlerweile auch gegen echtes SARS-CoV-2 und einen resistenten Herpes-Stamm.
- Klinisch untersucht: zwei placebokontrollierte Humanstudien (n=160, n=300) zeigen einen Effekt auf Erkältungssymptome der oberen Atemwege bei einem bestimmten Extrakt – seit 2010 nicht durch neuere Humanstudien ergänzt.
- Nicht belegt: eine nachgewiesene Wirkung gegen ein bestimmtes Virus (SARS-CoV-2, HIV, Ebola, Herpes etc.) beim Menschen. Die entsprechenden Daten dazu existieren bislang nur in vitro oder, im Fall von Ebola, sogar nur als Computersimulation.
Mehr zur Studiensammlung insgesamt in Die Zistrose im Fokus der Wissenschaft und in Zistrose und Immunsystem: Was sagt die Forschung? Zur Frage, ob Cistus auch entzündungshemmend wirkt und was das mit unserem Immunsystem zu tun hat, siehe Wirkt Zistrose entzündungshemmend?
Cistus in der Pandemie: die Imun-Guard-Geschichte
Im März 2020, mitten im ersten Lockdown, stellten wir aus dem Stand rund 1.000 Liter unserer Cistus-Kombinationstinktur Imun Guard her – deutlich günstiger als unsere übrigen Produkte, weil es uns in dem Moment nicht ums Geschäft ging. Die Hintergrundgeschichte dazu – inklusive einer ehrlichen, nachträglichen Einordnung, was damals plausibel war und was sich später tatsächlich bestätigt hat – erzähle ich ausführlich in Zistrose und Immunsystem: Die Geschichte hinter Cistus+ oder Imun Guard. Zwei weitere Momentaufnahmen aus dieser Zeit: Die Zistrose in der Pandemie und Keine Angst vor Virus und Impfung sowie der mehrteilige Essay: Das-immunsystem-naturlich-starken.
Wildpflanze statt Kulturpflanze
Ein Gedanke, der mich bei Cistus nicht loslässt: Wildpflanzen, die sich in kargem Gelände gegen UV-Strahlung, Pilze und Fressfeinde behaupten müssen, bilden dafür oft mehr sekundäre Pflanzenstoffe als gezüchtete Kulturpflanzen. Ob und wie sich das auf uns überträgt, ist eine offene, aber plausible Frage – mehr dazu in Zistrose (Cistus): Was macht Wildpflanzen so besonders? Auch die kosmetische, äußerliche Tradition der Zistrose gehört in dieses Bild – siehe Die Zistrose: Wahre Schönheit kommt von Innen.
Meine Erfahrung
Ich verwende Cistus-Extrakt seit vielen Jahren selbst, vor allem bei den ersten Anzeichen einer Erkältung. Das ist eine persönliche Erfahrung, kein klinischer Beweis – aber sie deckt sich mit der Grundidee der beiden Humanstudien oben: ein spürbarer Effekt auf Erkältungssymptome der oberen Atemwege. Warum wir bei Adaptonics grundsätzlich lieber in eigene Forschung investieren würden, statt nur auf Erfahrungsberichte zu setzen, beschreibe ich in Naturheilkunde und Forschung: Warum wir Zistrose genauer untersuchen wollen.
Häufige Fragen zu Cistus
Ist Cistus dasselbe wie Zistrose?
Ja, Cistus ist die botanische Gattungsbezeichnung, Zistrose der deutsche Name.
Schützt Cistus vor Viren?
In Zellkultur und Tiermodell wurden antivirale Effekte gegen mehrere Viren gezeigt – mittlerweile auch gegen echtes SARS-CoV-2 und einen Aciclovir-resistenten Herpes-Stamm. Zwei placebokontrollierte Humanstudien zeigen einen Effekt auf Erkältungssymptome. Ein Schutz vor einem bestimmten Virus beim Menschen ist damit nicht bewiesen.
Tee oder Tinktur?
Beides ist traditionell gebräuchlich. Ein wässriger Extrakt (Tee) ist milder, ein alkoholischer Extrakt konzentrierter und länger haltbar. Zu einem direkten Wirkvergleich beider Zubereitungsformen liegen keine eigenen Studien vor.
Ist Cistus ein Medikament?
Nein. Cistus-Produkte werden als Nahrungsergänzung angeboten und sind nicht zur Diagnose, Behandlung oder Heilung von Krankheiten bestimmt.
Quellen
- Rebensburg S, et al. Potent in vitro antiviral activity of Cistus incanus extract against HIV and Filoviruses targets viral envelope proteins. Scientific Reports. 2016;6:20394. DOI: 10.1038/srep20394
- Ehrhardt C, et al. A polyphenol rich plant extract, CYSTUS052, exerts anti influenza virus activity in cell culture without toxic side effects. Antiviral Research. 2007;76:38–47.
- Fraunhofer IZI Leipzig / Thieme. Antivirale Eigenschaften des Extrakts aus Cistus × incanus L. Pandalis auch bei SARS-CoV-2 in vitro nachgewiesen. 2021.
- Traeder JM. Cistus × Incanus L. Pandalis Is Highly Effective Against Delta Variant of SARS-CoV-2 in Vitro. Journal of Diseases and Medicinal Plants. 2021;7(3):82–86.
- Kalus U, et al. Cistus incanus (CYSTUS052) for treating patients with infection of the upper respiratory tract: a prospective, randomised, placebo-controlled clinical study. Antiviral Research. 2009;84(3):267–271.
- Kalus U, Kiesewetter H, Radtke H. Effect of CYSTUS052 and green tea on subjective symptoms in patients with infection of the upper respiratory tract. Phytotherapy Research. 2010;24(1):96–100.
- Angelova P, et al. Antiviral Activity of Water–Alcoholic Extract of Cistus incanus L. International Journal of Molecular Sciences. 2025;26(3):947. DOI: 10.3390/ijms26030947
- De Filippis A, et al. Cistus incanus: a natural source of antimicrobial metabolites. Natural Product Research. 2025;39(12):3396–3409. DOI: 10.1080/14786419.2024.2335353
- Computergestützte Docking-/Molekulardynamik-Studie zu Cistus-incanus-Inhaltsstoffen gegen das Ebola-Virus-Protein VP40. Biophysica. 2026. DOI: 10.3390/biophysica6020029 – reine In-silico-Modellierung, keine Labor- oder Tierdaten.
- Weitere über 20 Einzelstudien zu antibakteriellen, antimykotischen und antioxidativen Effekten sowie zu Borreliose- und Krebsforschung findest du gesammelt in Cistus: Welche wissenschaftlichen Studien gibt es?
Eine vollständige, verlinkte Studientabelle mit 30 Publikationen und regulatorischen Quellen findest du in unserer Forschungsübersicht zu Cistus/Zistrose.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

