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Pine Pollen und der homo generosus

May 10, 2016 Curro Cachinero RSS Feed

 

Herzlich Willkommen bei Healing Garden Tenerife TV! –  Heute will ich euch etwas ganz besonderes zeigen. Wir sind hier mitten im Kiefernwald, im Pinar. Das ist eine wunderschöne Gegend hier, da will man gar nicht so laut sprechen.

Das, was man hier sieht, wird mal so ein Zapfen werden. Allerdings braucht der dazu zwei Jahre Zeit. Beim Pollen sammeln habe ich mich zuerst immer gewundert, was das für merkwürdige ‹Dinger› sind.

Wenn man genau hinguckt, dann sieht man, dass die Struktur, die der Zapfen mal haben wird, hier bereits im Kleinformat angelegt ist. Das hier sind die weiblichen Blüten. Noch einmal zur Wissenschaft.

Wir kennen das. Es gibt Männer und es gibt Frauen. Inzwischen gibt es auch noch etwas anderes, aber das ist ein anderes Thema. – Auch bei vielen Bäumen und Pflanzen gibt rein männliche und rein weibliche Exemplare. Es gibt aber auch Bäume, so wie die Kiefer, wo beide Geschlechter am gleichen Baum auftreten.

Daran sieht man auch, dass die Kiefer ein alter Baum ist. Vielleicht wisst ihr auch, dass nach Platon sogar die Menschen früher eingeschlechtlich, also androgyn gewesen sein sollen. Das behaupten jedenfalls die antiken griechischen Sagen von der Vorzeit der Menschheit. Der Mythos von Atlantis.

Die Botaniker gehen davon aus, dass es zuerst die sogenannten monözischen Bäume gab, also jene, die beide Geschlechter zusammen ausbilden. Erst später in der Evolution habe sich dass dann differenziert in männliche und weibliche Pflanzen.

Ein sehr anschauliches Beispiel für den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen ist Marihuana. Die weiblichen Pflanzen werden angebaut, weil die Blüten THC enthalten. Die männlichen Pflanzen dagegen enthalten gar kein THC. Trotzdem werden sie zur Gewinnung der Faser als Rohstoff für die Industrie angebaut. Das nur als Beispiel.

Bei der Kiefer ist das anders. Hier treten beide Geschlechter zusammen auf. Das hier sind die männlichen Blüten, die inzwischen verblüht sind. Hier ist noch eine Blüte, die noch ganz frisch ist. Diese Blüte ist noch nicht aufgegangen. Die öffnet sich und dann wird der Pollen frei.

Die Kiefer pflanzt sich fort durch Windbestäubung, nicht mit der Hilfe von Bienen. Deswegen hat das auch nichts mit Bienenpollen zu tun. Da werden keine Insekten benötigt. Der Wind verteilt den Pollen aus den männlichen Blüten, der Staub fällt auf die weiblichen Blüten. Sobald diese befruchtet sind, beginnt ein irrsinniger Wachstumsprozess.

Manchmal sieht man die Blüten, die gerade bestäubt wurden. Die sehen dann aus wie Bonsai-Zapfen, ganz klein aber schon braun. Die wachsen dann zwei Jahre lang, bis sie dann schliesslich zu Boden fallen und sich langsam öffnen. Dann geben sie die Samen frei und daraus werden dann neue Kiefernbäume!

Was haben wie heute gelernt? Wir haben gelernt, dass Kiefern monözische Pflanzen sind. Pflanzen also, die beide Geschlechter in sich tragen, was darauf hindeutet, dass es sich um eine sehr alte Baumart handelt. Und wir haben gelernt, dass Kiefern sich durch Windbestäubung fortpflanzen. Also ohne Insekten und auch ohne Pinsel. In China, wo die Bienen ausgestorben sind, werden Blütenpflanzen nämlich inzwischen vom Menschen per Hand bestäubt.

Wenn ich sehe, dass die Kiefer etwa zehn Millionen mal mehr Samen produziert als nötig wären zur Fortpflanzung. Beim Menschen ist das auch so. Ein Ejakulat enthält mehrere Millionen Spermien. Dann frage ich mich immer wieder: Warum macht die Natur das? Die Natur könnte doch auch einfach einen oder zwei, meinetwegen auch zehn Samen erzeugen. Warum dieser gigantische Überfluss, diese Überfülle?

Ein Gedanke, den man daran entfachen kann ist, dass die Natur nicht immer mit Effizienz arbeitet. Das gibt es auch. Ich habe heute acht Stunden Arbeitszeit und in denen möchte ich ‹etwas gebacken› bekommen. Das ist das Prinzip Effizienz und das ist auch in Ordnung.

Es gibt aber noch ein anderes Prinzip in der Natur. Das Prinzip der Redundanz, des Überflusses. Das heißt: Viel mehr als nötig, freies Schenken. Das führt sehr weit. Das ist nicht nur eine Idee, die man mal haben kann.

Darwin hat zwei Bücher über die Evolution geschrieben, die in diesem Zusammenhang interessant sind. Nur eines davon ist den meisten Menschen heute bekannt, nämlich ‹Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl›, survival of the fittest, Anpassung usw.

Darwin hat aber später noch ein zweites Buch geschrieben, das heute kaum jemand kennt, über ‹Die Abstammung des Menschen und sexuelle Selektion›.

Um es zusammenzufassen: Darwin sagt, dass es zwei Faktoren der Evolution gibt. Der erste Faktor ist die Natur – Überleben durch Anpassung. Und der zweite große Faktor, das ist DIE FRAU! Das ist auch bei den Tieren so. Da sich das Weibchen um die Aufzucht der Jungen kümmern muss, ist es auch die Frau, die den Partner wählt.

Der Mann ist tendenziell so gestrickt, dass er ‹eben nimmt, was vor die Flinte kommt›. Die Frau dagegen sieht viel genauer hin. Sie sagt sich: Ich muss die Kinder großziehen, also brauche ich einen Mann, der zuverlässig ist.

Bei der sexuellen Selektion geht es eben nicht darum, wer der sparsamste, der effizienteste und der am besten angepasste ist. Sondern es geht darum, wer am meisten verschwendet, wer am meisten Überfluss hat und wer am großzügigsten ist.

Ein Bild für diesen Überfluss ist der Pollen, der von der Kiefer erzeugt wird. Alles ist voll mit Pollen, der Boden wird ernährt, es ist viel mehr da, als gebraucht wird. Jetzt den Newsletter von Healing Garden abonnieren und jeden Tag mehr lernen als zum nackten Überleben nötig ist!

PS: Wer mehr über den dargestellten Zusammenhang lernen will, dem sei Buch ‹Homo Generosus› von Tor Norretranders ans Herz gelegt.



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2 Kommentare

  • Healing Garden

    May 30, 2017

    Danke für das Feedback :) Ich gebe zu, dass ich etwas ausschweife… aber das macht ja nix – die Natur ist eine faszinierende Lehrerin!

  • John

    May 16, 2016

    Top – so lerne ich jedes Mal was neues über Kiefern und Kiefernpollen wenn ich auf die Seite komme. Weiter so und mehr davon! :)


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