Heute geht es um Artemisia annua, den einjährigen Beifuß oder chinesischen Beifuß. Artemisia annua ist nicht zu verwechseln mit Artemisia vulgaris, welches hierzulande vor allem als Gewürz bekannt ist.
In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels machte ich an dieser Stelle einen kleinen Ausflug zu Artemisia vulgaris, Absinth und Van Gogh. Darum geht es heute aber nicht. Heute geht es um den einjährigen „annua“ Beifuß.
Artemisia annua erlangte große Bekanntheit, nachdem Tu Youyou 2015 für ihre Entdeckungen zu einer neuen Malariatherapie mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde. Ausgangspunkt ihrer Forschung war Artemisia annua, aus der schließlich Artemisinin gewonnen wurde. Artemisinin und daraus entwickelte Wirkstoffe spielen bis heute eine wichtige Rolle in der Malariatherapie. Darüber hinaus wurden einzelne dieser pharmazeutischen Wirkstoffe auch in anderen Forschungsgebieten untersucht – unter anderem in der Krebsforschung.
Der damalige taz-Artikel „Dynamit aus dem Beifuß“ beschäftigte sich mit dieser Forschung und zitierte dazu unter anderem den Wissenschaftler Thomas Efferth. Untersucht wurden mögliche Wirkmechanismen von Artemisinin-Derivaten wie Artesunat auf Tumorzellen. Für mich war das damals vor allem deshalb faszinierend, weil sich hier aus einer alten Heilpflanze ein völlig neues Feld moderner pharmakologischer Forschung entwickelt hatte.
An der Pflanze Artemisia annua lässt sich für mich bis heute eine grundsätzliche Frage zeigen: Was passiert, wenn wir komplexe Pflanzen nur über einzelne isolierte Stoffe betrachten?
Über die Motive der Pharmakonzerne möchte ich nichts sagen. Über das Denken aber, welches dem Isolieren von Substanzen zugrunde liegt, sehr wohl.
Was würde geschehen, wenn wir stattdessen ganzheitlicher zu denken beginnen würden? Es würde bedeuten, dass wir sehen, dass eine einzelne chemische Substanz innerhalb einer Pflanze in einen größeren Kontext eingebettet ist. Ein Kontext, den wir respektieren und untersuchen können.
Alles ist miteinander verbunden. Es gibt nur EIN Leben. Ist das so schwer zu verstehen? Was würde aus dieser EIN-Sicht folgen, wenn sie denn eines Tages erfolgte?
Ein Wort zur Einordnung: Dieser Text stammt aus unserer früheren Beschäftigung mit Artemisia. Wo hier von Forschung die Rede ist, geht es teilweise um Artemisinin oder pharmazeutische Derivate wie Artesunat – nicht um einen Wirksamkeitsnachweis für unsere Tinktur oder für Artemisia annua als Nahrungsergänzungsmittel. Genau diese Unterschiede versuchen wir heute sauberer zu benennen, ohne die Geschichte nachträglich glattzubügeln.
Mehr über Artemisia annua, ihre Geschichte und die Forschung rund um die Pflanze findest du in unserer Adaptopedia zu Artemisia annua.

1 Kommentar
Habe Blasenkrebs. Immuntherapie plus Artemisia: CT-Befund lautet seit Kurzem: “Man sieht nichts”. Nasenspray auf Rotalgenbasis" : Seit Jahren kein Schnupfen mehr, unbeschadet als Ungeimpfter durch die Pandemie gekommen. Frage: Warum werden diese Heilmittel so wenig bekannt gemacht?