Die meisten Menschen denken – wenn sie das Wort ‹Testosteron› hören – an Hooligans oder Schlägertypen. Gegenüber dem Männlichkeitshormon herrschen in unserer Gesellschaft viele Vorurteile, die sich jedoch, laut dem in ‹Spektrum der Wissenschaft erschienenen Artikel ‹Testosteron – das unterschätzte Hormon› zunehmend als unwahr herausstellen.
Dass Testosteron den Muskelaufbau fördert ist bekannt. Weniger bekannt ist bislang, dass ein hoher Testosteronspiegel mitunter mit altruistischem und fairen Verhalten einhergeht. Aus einem Interview mit der ‹Zeit› mit Prof. Jun. Dr. Esther Diekhof, Human-Biologin und Neurologin an der Universität Hamburg, geht hervor, dass Männer mit einem hohen Testosteronspiegel eher im Interesse ihrer Gruppe handeln – sie verhielten sich demnach wie echte ‹Alphatiere› – geborene Anführer!
Es mag stimmen, dass Männer, die viel Testosteron im Blut haben dominant auftreten. Wer sagt aber, dass das schlecht sei? Amy Cuddy erklärt in ihrem viralen Tedtalk über ‹Power Posing› und effektive Körpersprache dass Dominanz nicht mit Aggression einhergehen muss. Im Gegenteil, wer sich einer Situation gewachsen fühle – ein hoher Testosteronwert geht mit einem erhöhten Selbstbewusstsein, mit Siegermentalität einher – der habe es gar nicht nötig, erst aggressiv zu werden.
Die Forschung diskutiert seit Jahren, ob und wie Testosteronspiegel und Stimmung zusammenhängen – die Datenlage ist uneinheitlich, und Depression ist eine ernste Erkrankung, die in ärztliche Hände gehört. Was mich an dem Thema interessiert, ist etwas anderes: Selbstwirksamkeit – das Gefühl, das eigene Leben gestalten zu können. Sie ist einer der stärksten bekannten Schutzfaktoren für die Psyche und übrigens Kernthema der Salutogenese.
Ich glaube zwar nicht, dass eine Steigerung des Testosteronspiegels durch regelmäßigen Sport, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung allein ausreichen, um eine echte Depression zu beseitigen. Aber ein Baustein, eine Gesundheitsressource mehr als Teil einer langfristigen Strategie im Sinne der Salutogenese kann es mit Sicherheit sein!
Mehr zum Zusammenhang zwischen Testosteron und Pine Pollen findest du in unserer großen Übersicht, und zum Zusammenspiel von Testosteron und Cortisol in Testosteron und Cortisol: Raus aus dem Stressmodus.
