andropause mhytos oder realität?

Andropause – Mythos oder Realität?

Was mit Männern beim Älterwerden wirklich passiert – und warum Testosteron nur ein Teil der Geschichte ist

Es passiert nicht an einem bestimmten Geburtstag.

Du wachst nicht eines morgens auf und dein Körper meldet: Jugend beendet, Testosteron wird heruntergefahren.

So einfach ist es nicht.

Trotzdem kennen viele Männer das Gefühl, dass sich irgendwann etwas verschiebt. Vielleicht nicht einmal dramatisch. Eher schleichend.

Die Regeneration dauert länger. Muskeln verschwinden schneller. Das Bauchfett hält sich erstaunlich hartnäckig. Nach einer schlechten Nacht braucht man länger um wieder richtig auf die Beine zu kommen - "man ist halt nicht mehr Zwanzig". - Bei manchen verändert sich die Libido. Bei anderen die Stimmung, die Konzentration oder schlicht der Antrieb.

Und irgendwann hört man dann:

Andropause.

"Die Wechseljahre des Mannes".

Ich finde den Begriff interessant, gerade weil er so eingängig ist. Er bietet eine Erklärung für etwas, das viele Männer tatsächlich erleben. Und gleichzeitig führt er uns möglicherweise auf die falsche Fährte.

Denn ein männliches Gegenstück zur Menopause gibt es in dieser Form nicht.

Es gibt keinen biologischen Zeitpunkt, an dem die Hoden ihre Arbeit einstellen. Keine hormonelle Klippe, über die alle Männer irgendwann hinunterfallen.

Was es dagegen sehr wohl gibt, ist ein medizinisch definierter Testosteronmangel – ein Hypogonadismus – und es gibt Männer, bei denen dieser erst im späteren Leben auftritt. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Gibt es Veränderungen beim älter werdenden Mann?

Natürlich gibt es die.

Die interessantere Frage lautet:

Was davon ist wirklich Alter – und was schreiben wir nur dem Alter zu?

Eine verführerisch einfache Geschichte

Vor einigen Jahren erschien Louann Brizendines Buch Das männliche Gehirn.

Es erzählt das Leben des Mannes in gewisser Weise durch die Brille seiner Hormone: Kindheit, Pubertät, Sexualität, Partnerschaft, Vaterschaft und schließlich das Älterwerden.

Mit Brizendines Buch und der Rolle von Testosteron habe ich mich schon früher ausführlicher beschäftigt: Testosteron und das männliche Gehirn.


Was macht Testosteron eigentlich?

Wenn von Testosteron gesprochen wird, dauert es meist nicht lange, bis Muskeln und Sexualität auftauchen. - Beides stimmt.

Testosteron beeinflusst unter anderem Sexualfunktion und Libido, Muskel- und Körperzusammensetzung, Knochen, Blutbildung und Fortpflanzung. Ein wirklicher Mangel kann deshalb körperliche, sexuelle und psychische Folgen haben.

Produziert wird der größte Teil des Testosterons in den Hoden. Gesteuert wird die Produktion aber von einem Regelkreis:

Gehirn → Hypophyse → Hoden → Testosteron

Das ist wichtiger, als es zunächst klingt.

Denn wenn am Ende wenig Testosteron herauskommt, heißt das noch nicht automatisch, dass „die Hoden zu wenig produzieren“. Die Ursache kann an unterschiedlichen Stellen dieses Systems liegen – und auch Körpergewicht, Stoffwechsel, Erkrankungen oder Medikamente können hineinspielen.

Ein niedriger Testosteronwert ist deshalb zunächst eine Information. Noch keine Erklärung.

Sinkt Testosteron einfach, weil wir älter werden?

Eine der Aussagen, die man zum Thema Männergesundheit ständig liest, geht ungefähr so:

Ab einem bestimmten Alter sinkt der Testosteronspiegel jedes Jahr.

Der Mann wird älter, Testosteron nimmt ab, also nehmen Kraft, Libido und Vitalität ab.

Eine schöne gerade Linie.

Nur scheint der menschliche Körper auch hier weniger ordentlich zu sein.

Besonders interessant ist die "European Male Ageing Study", eine große europäische Untersuchung alternder Männer. In der Langzeitbeobachtung sank das Gesamt-Testosteron im Durchschnitt nur relativ gering, das freie, also verfügbare Testosteron dagegen sank deutlich.

Noch interessanter: Gewichtsveränderungen gingen mit Veränderungen der Hormonwerte einher.

Männer, die zunahmen, zeigten im Mittel sinkende Testosteronwerte. Gewichtsverlust war dagegen mit steigenden Werten verbunden. Körpergewicht, Begleiterkrankungen und Lebensstil beeinflussen die hormonelle Entwicklung offenbar erheblich.

Damit dreht sich die Frage um.

Nicht nur:

Mein Testosteron sinkt, weil ich älter werde – was kann ich dagegen nehmen?

Sondern:

Warum verändert sich mein Testosteron überhaupt?

Vielleicht ist ein niedriger Testosteronwert manchmal Ursache eines Problems.

Vielleicht ist er manchmal aber auch Ausdruck eines größeren Problems.

Die Andropause ist Mythos und Realität zugleich

Deshalb gefällt mir inzwischen eine etwas widersprüchliche Antwort am besten.

Ja, die Andropause gibt es.

Und:

Nein, die Andropause gibt es nicht.

Sie existiert, wenn wir damit meinen, dass sich Körper, Sexualität, Stoffwechsel und Hormonsystem vieler Männer im Laufe ihres Lebens verändern.

Sie existiert nicht, wenn wir sie uns als männliche Version der Menopause vorstellen: einen biologischen Schalter, der irgendwann umgelegt wird und bei jedem Mann dieselbe Kettenreaktion auslöst.

Die Andropause gibt es nicht. Einen Testosteronmangel beim älteren Mann gibt es sehr wohl. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Bei gesund alternden Männern erklärt das Lebensalter allein nur einen Teil des Testosteronabfalls. Übergewicht, Diabetes, andere Erkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand können eine wesentlich größere Rolle spielen.

Das ist zunächst eine schlechte Nachricht für alle, die eine möglichst einfache Erklärung suchen.

Für uns Männer ist es möglicherweise eine ziemlich gute.

Denn unser Geburtsjahr können wir nicht verändern.

Manche anderen Faktoren schon.

Müdigkeit ist noch keine Diagnose

Ein Mann Mitte fünfzig ist müder als früher. Er hat zugenommen, schläft schlechter, braucht nach dem Sport länger zur Erholung und seine Libido hat nachgelassen.

Kann Testosteron dabei eine Rolle spielen?

Natürlich.

Nur passen Müdigkeit, Antriebslosigkeit und schlechter Schlaf auch zu Stress, Übergewicht, Stoffwechselproblemen, Depressionen, Medikamenten und zahlreichen Erkrankungen.

Aussagekräftiger sind nach den europäischen Leitlinien bestimmte sexuelle Veränderungen: nachlassendes sexuelles Verlangen, weniger spontane oder morgendliche Erektionen und erektile Schwierigkeiten.

Etwas unakademisch formuliert:

Die Morgenerektion kann diagnostisch interessanter sein als das allgemeine Gefühl, irgendwie "nicht mehr so gut drauf" zu sein.

Zum Zusammenhang von Testosteron und Erektionsfähigkeit gibt es bei uns einen eigenen älteren Artikel: Testosteron und erektile Dysfunktion.

Und was sagt der Bluttest?

Auch hier wäre eine einfache Welt schön:

Blut abnehmen. Testosteron messen. Zahl anschauen. Fertig.

Leider funktioniert es nicht ganz so.

Testosteron schwankt im Tagesverlauf. Deshalb wird eine Messung am Morgen und nüchtern empfohlen. Ein niedriger Wert sollte durch eine zweite Messung bestätigt werden. Für die Diagnose eines Hypogonadismus gehören Beschwerden und wiederholt niedrige Laborwerte zusammen.

Dazu kommt ein weiterer Punkt: Ein großer Teil des Testosterons im Blut ist an Eiweiße gebunden, insbesondere an SHBG – das Sex Hormone Binding Globulin.

Deshalb sind Gesamt-Testosteron und frei verfügbares Testosteron nicht dasselbe.

Zwei Männer können denselben Gesamtwert haben und trotzdem unterschiedliche Mengen freien Testosterons. Je nach Situation können deshalb neben Gesamt-Testosteron auch SHBG, freies Testosteron, LH und weitere Werte interessant werden.

Ein einzelner Testosteronwert ist kein Orakel.

Ich habe das vor Jahren einmal am eigenen Körper ausprobiert und meine Werte über einen Pine-Pollen-Selbsttest dokumentiert. 

Testosteron als Ursache – oder als Hinweis?

Wir betrachten Testosteron gern als Stellschraube.

Ist der Wert niedrig, möchten wir ihn hochdrehen.

Bei einem echten medizinischen Testosteronmangel kann eine gezielte Behandlung selbstverständlich sinnvoll oder notwendig sein.

Aber bei manchen Männern erzählt ein niedriger Wert möglicherweise noch etwas anderes über den Zustand des gesamten Systems.

Gewicht, Stoffwechsel, Schlaf, Erkrankungen und allgemeine Gesundheit beeinflussen das Hormonsystem – und das Hormonsystem beeinflusst wiederum Körperzusammensetzung, Sexualität und Wohlbefinden.

Keine gerade Kausalkette, eher ein komplexes Sytem.

Deshalb interessiert mich inzwischen eine andere Frage mehr als:

Wie bekomme ich mehr Testosteron?

Nämlich:

Was braucht mein Organismus, damit sein Hormonsystem sich selbst gut regulieren kann?

Schlaf? Bewegung? Weniger viszerales Fett? Eine bessere Stoffwechsellage? Weniger chronischer Stress? Die Behandlung einer Erkrankung?

Oder tatsächlich eine medizinische Hormontherapie?

Das lässt sich nicht für alle Männer mit demselben Satz beantworten.

Genau diese Perspektive – nicht nur Krankheit zu vermeiden, sondern danach zu fragen, was Gesundheit ermöglicht – ist der Ausgangspunkt unserer Arbeit mit Salutogenese und Adaptogenen.

Was hat Pine Pollen damit zu tun?

Zwischen dem Nachweis eines Stoffes, nämlich androgene Steroidhormone, in einer Pflanze und einer nachgewiesenen Wirkung beim Menschen liegt ein ziemlich großer wissenschaftlicher Abstand.

Man müsste wissen, wie viel davon vorhanden ist, in welcher Form, was bei der Einnahme damit geschieht, wie viel aufgenommen wird – und ob diese Menge im menschlichen Körper überhaupt relevant ist.

Wer sich einen Überblick über unsere bisherigen Artikel und die Forschung verschaffen möchte, findet ihn auf unserer Pine-Pollen-Wissensseite und in der separaten Forschungsübersicht.

Im Januar 1971 veröffentlichten M. Šaden-Krehula, M. Tajić und D. Kolbah eine kurze wissenschaftliche Arbeit über den Pollen der Waldkiefer Pinus sylvestris mit dem Titel: "Testosterone, epitestosterone and androstenedione in the pollen of Scotch pine P. silvestris L."

Die Forscher berichteten also tatsächlich über den Nachweis von:

Testosteron.
Epitestosteron.
Androstendion.

im Pollen einer Kiefer.

Damit ist aber noch lange nicht beantwortet, was dieser Fund für einen Menschen bedeutet, der Pine Pollen einnimmt. - Und genau das interessiert mich. - Was sind Epitestosteron und Androstendion überhaupt? - Wie konnten die Forscher diese Stoffe 1971 nachweisen?

Welche Mengen fanden sie? - Und gilt etwas davon auch für unsere kanarische Kiefer, Pinus canariensis?

 


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Anhaltende Veränderungen der Sexualfunktion, ausgeprägte Müdigkeit oder der Verdacht auf einen Hormonmangel sollten ärztlich abgeklärt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

European Association of Urology: Guidelines on Sexual and Reproductive Health – Male Hypogonadism.

Endocrine Society: Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: Clinical Practice Guideline.

Camacho EM et al. (2013): Age-associated changes in hypothalamic-pituitary-testicular function in middle-aged and older men are modified by weight change and lifestyle factors: longitudinal results from the European Male Ageing Study.

Šaden-Krehula M, Tajić M, Kolbah D. (1971): Testosterone, epitestosterone and androstenedione in the pollen of Scotch pine P. silvestris L.

Brizendine, Louann: The Male Brain: A Breakthrough Understanding of How Men and Boys Think, New York 2010.

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.