Während die Welt über Putins 74. Geburtstag spricht, reden wir heute über eine ganz besondere Pflanze: die Zistrose (Cistus incanus). Warum? Weil im Labor ein Cistus-Extrakt etwas geschafft hat, woran viele Medikamente scheitern: Erreger fanden keinen Weg, sich anzupassen.
Antibiotikaresistenz: Warum Einzelwirkstoffe irgendwann versagen
Ein Medikament besteht meist aus einem einzigen Wirkstoff. Darauf kann sich ein Erreger einstellen, und das tut er auch. Penicillin wirkte anfangs fantastisch, heute werden Resistenzen zum Problem.
Die Zistrose arbeitet anders. Sie enthält ein Gemisch aus Hunderten Stoffen: Polyphenole, Gerbstoffe, Bitterstoffe. Ein Erreger müsste sich gegen alle gleichzeitig wappnen. Die Forscher vermuten, dass die Stoffe Erreger daran hindern, an Zellen anzudocken, ähnlich wie ein Schloss, in das der Schlüssel nicht mehr passt.
Cistus Extrakt im Labor: Was die Studien zu Viren zeigen
2016 testete ein Forschungsteam am Helmholtz Zentrum München einen wässrigen Zistrosen-Extrakt gegen HIV und gegen Viruspartikel mit den Hüllproteinen von Ebola und Marburg. Der Extrakt hinderte sie daran, in Zellen einzudringen. Auch gegen SARS-CoV-2 zeigte ein Extrakt in Zellkulturen Wirkung.
Der spannendste Teil: Die Forscher hielten HIV 24 Wochen lang mit dem Extrakt in Kontakt. Eine Resistenz entwickelte sich nicht. Selbst HIV-Stämme, die gegen mehrere Medikamente resistent waren, wurden gehemmt.
Wichtig: Das waren Laborversuche an Zellen, keine Behandlung von Menschen.
Cistus und Bakterien: Was Staphylococcus aureus und E. coli verraten
Gegen Bakterien ist die Datenlage dünn. Eine Laborstudie zeigte, dass Zistrosen-Extrakt Staphylococcus aureus stark hemmte, E. coli dagegen weniger. Mehr wissen wir noch nicht.
Cistus beim Menschen: Was die Studienlage hergibt
Hier ist die Forschung dünn, aus gutem Grund: Man kann Menschen nicht absichtlich mit gefährlichen Erregern infizieren. Es gibt aber eine kontrollierte Studie mit 160 Patienten mit Atemwegsinfekten. Bei ihnen ließen Dauer und Schwere der Symptome nach (CYSTUS052, 2009).
Biowaffen und Resistenzen: Warum ich trotzdem hinschaue
Das Problem der Resistenzen ist real. Und es ist kein Geheimnis, dass die Sowjetunion ab den 1970er Jahren unter dem Namen Biopreparat ein riesiges Biowaffenprogramm aufbaute, obwohl sie 1972 die Biowaffenkonvention unterschrieben hatte. Überläufer berichteten später, dass dabei auch gezielt Erreger mit Antibiotika-Resistenzen erforscht wurden.
Ob das Thema heute noch aktuell ist, weiß ich nicht. Mir geht es um etwas anderes: Pandemien kündigen sich nicht an. Corona hat uns das gezeigt. Wer wachsam ist, schaut auch auf Pflanzen, die schon seit Jahrhunderten im Gebrauch sind.
Das Milieu zählt: Was Semmelweis, Pasteur und Bernard uns lehren
Mikroorganismen wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Davor sprach man von göttlicher Strafe oder bösen Geistern. Ignaz Semmelweis bat seine Kollegen, sich vor Geburten die Hände zu waschen, nachdem sie Leichen seziert hatten. Die Sterberate sank drastisch. Geglaubt hat man ihm trotzdem nicht, er starb in der Psychiatrie.
Louis Pasteur setzte danach die Mikroorganismen durch. Seinem Zeitgenossen Claude Bernard ging es um etwas anderes: Nicht nur der Keim entscheidet, sondern das Milieu, in dem er leben kann oder eben nicht. Von Pasteur wird erzählt, er habe am Ende gesagt, Bernard habe recht gehabt. Ob das stimmt, ist nicht sicher belegt. Die Idee dahinter ist es wert, sie nicht zu vergessen.
Cistus als Tee oder Extrakt: Mein Fazit
Ich sage nicht, dass die Zistrose die Pest heilt. Ich sage: Hier wächst eine Pflanze mit einer ungewöhnlichen Eigenschaft, die die Wissenschaft gerade erst zu verstehen beginnt.
Traditionell wurde sie zur Wundheilung verwendet, als Räucherwerk gegen „böse Geister" und für Parfüm. Eine Kriegerpflanze mit Doppelnatur.
Ich sammle sie selbst und mache Tee bzw. Extrakt daraus. Die Blütezeit ist im April, gerade ist Samenzeit, deshalb gibt es heute keine Blüten und keinen Duft zu zeigen.
Pass auf dich auf, pass auf deine Familie auf, und erinnere dich an die Zistrose.
Quellen:
- Rebensburg et al. 2016, Scientific Reports: „Potent in vitro antiviral activity of Cistus incanus extract against HIV and filoviruses targets viral envelope proteins"
- Kalus et al. 2009, Antiviral Research (CYSTUS052)
- De Filippis et al.: „Cistus incanus: a natural source of antimicrobial metabolites"
