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Den Sinn für das Leben ausbilden

May 01, 2020 Curro Cachinero RSS Feed

Adaptonics

  

Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren:
Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ists!“ (Schiller)

 

Mandelbrothmenge

 

Die „Mandelbrot-Menge“ ist eine nach dem Mathematiker Benoit Mandelbrot benannte Menge von komplexen Zahlen. „Komplexe Zahlen“ sind das Produkt „reeller“ und „imaginärer“ Faktoren. „Reelle“ Zahlen können wir uns vorstellen, sie entsprechen unserer Alltagserfahrung von zählbaren Dingen. „Imaginäre“ Zahlen dagegen sind zunächst kontraintuitiv: Das Quadrat der imaginären Zahl „i“ ist -1. 

 

Carl Gustav Jung ging davon aus, dass der heutige Mensch über zwei Arten von Bewusstsein verfügt: „Gerichtetes Denken“ und „Phantasieren“ (Siehe dazu: „Das rote Buch – Liber Novus“, C.G. Jung, 2009). Gerichtetes Denken sei logisch, sprachlich und menschheitsgeschichtlich realtiv jung. Phantasieren dagegen sei bildhaft, mythologisch und – historisch betrachtet – wesentlich älter. Jungs Lebenswerk bestand unter Anderem darin, die unbewusste aber umso mächtiger wirksame Schicht des mhytischen Bilder-Bewusstseins im Menschen – und damit seine verborgenen Kraftquellen – systematisch freizulegen und anzuzapfen. 

 

Jung unterschied in sich selbst sein Leben lang „Nr. 1“ und „Nr. 2“. Jung beobachtete in sich zwei „Teilpersönlichkeiten“, welche sein Leben lang in einem dynamischen, selten einfachen Verhältnis zueinander standen. „Nr. 1“ war der sozialisierte Alltagsmensch, der „eben so war, wie er war“, und mit dem man sich „irgendwie abfinden musste“. „Nr. 2“ dagegen „lebte in der Gotteswelt“. „Nr. 2“ war tief religiös und tendenziell einsam. „Nr. 2“ hatte „etwas Schweres“ an sich und er stand in Verbindung mit „verflossenen Jahrhunderten – vor Allem mit dem Mittelalter“.

 

Jung betrachtete das Leben als einen Prozess der „Individuation“ also der schrittweisen Befreiung von Fremdbestimmung. Dieser „Weg zum Selbst“ war zugleich der Urmythos des Menschen. Kein Wunder, dass Jung ein enthusiastischer Leser von Nietzsches Zarathustra war, der ihn sehr an „Nr. 2“ erinnerte. Der Prozess der „Alchemie“, die Transformation von Blei zu Gold, war für Jung ein psychologischer Prozess, ein immer auch heroischer, individueller Weg aus der Komfortzone des Vertrauten hinein in die Untiefen der Möglichkeiten des grenzenlosen, menschlichen Geistes.

 

IceCube

Der Neutrino-Detektor „IceCube“ am Südpol soll dabei helfen soganannte „Dunkle Materie“ aufzuspüren und die Natur des Universums zu begreifen. Die Entdeckung der „Neutrinos“ geht zurück auf den deutschen Physiker Wolfgang Pauli. Jung und Pauli verband eine lebenslange Freundschaft, welche Jung schließlich das Konzept der „Synchronizität“ eröffnete: Ein – objektiv betrachtet – rein zufälliges Ereignis, welches mit einem – subjektiv erlebten – tiefen Gefühl von Bedeutung, Zusammenhang und Sinn einher geht.

 

In einem komplexen System sind alle Agenten instantan miteinander verbunden. Das Phänomen der Synchronizität ist das psychologische Analogon zu dem physikalischen Phänomen der Verschränkung, der nicht-Lokalität von Feldern. Während die Perspektive der Kausalität mir die Zukunft als eine „Fortsetzung“ der Vergangenheit erscheinen lässt, lässt mich die Perspekive der Synchronizität die Vergangenheit als ein „Ergebnis“ der sich vergegenwärtigenden, sinnstiftenden Zukunft erscheinen.

 

Mit dem kausalen Verstand kann ich erkennen, wie etwas zu dem geworden ist, was es heute ist. Mit der schöpferischen Phantasie oder „aktiven Imagination“ kann ich ahnen, was es morgen sein könnte. Ich frage mich dann nicht mehr, wer einen bestimmten Zustand verursacht hat. Ich frage mich dann viel mehr, wofür der aktuelle Zustand wohl gut sein könnte: „Was will ich jetzt?“

 

Aaron Antonovsky, der Begründer der Salutogenese-Forschung, hat dafür den Begriff des „Sense of Coherence“ geprägt. Der „Sinn für Kohärenz“ ist es, der mich aus dem Opferdasein herausführt und mich in einen selbstwirksamen, produktiven Gestaltungsmodus bringt. Dieses Sinnesorgan können wir schulen. In schrittweiser Verfeinerung, Tüfteln, „rekursiver Iteration“ oder Presensing.



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